
{"id":1722,"date":"2021-03-28T00:44:57","date_gmt":"2021-03-27T23:44:57","guid":{"rendered":"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/?p=1722"},"modified":"2025-04-22T10:21:45","modified_gmt":"2025-04-22T08:21:45","slug":"praegende-szenen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/2021\/03\/28\/praegende-szenen-2\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4gende Szenen 2"},"content":{"rendered":"\n<h1>Rekrut Senzapace<\/h1>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rekrut_Senzapace.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rekrut_Senzapace.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1720\" width=\"506\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rekrut_Senzapace.jpg 800w, https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rekrut_Senzapace-300x225.jpg 300w, https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Rekrut_Senzapace-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 506px) 100vw, 506px\" \/><\/a><figcaption>Die Uniform passt nicht. Er f\u00e4llt auf jeden gemeinen Trick rein.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>1939: Der Tessiner Bergler Adolfo Senzapace muss in die Rekrutenschule. Die Mutter weckt ihn in aller Hergottsfr\u00fche und denkt: \u201eAber dieser Junge ist nicht gemacht, um in die Welt hinauszugehen. Nichts wie Einfalt und Unschuld &#8230; Sie werden ihn erniedrigen und beleidigen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Und genau so kommt es. Senzapace ist so gross und so dick und so stark, dass eine spezielle Uniform f\u00fcr ihn angefertigt werden muss. Und er ist so sensibel, dass er zum steten Quell f\u00fcr die Belustigung der anderen Rekruten wird; er f\u00e4llt auf jeden gemeinen Trick seiner Peiniger herein. Sie nennen ihn &#8220;Schneegl\u00f6ckchen&#8221;.<\/p>\n<p>Ich habe das Buch vor Jahrzehnten gelesen. Und eine Szene hat sich mir ins Ged\u00e4chtnis eingebrannt: Ausgang am Abend. Senzapace stapft einsam durch einen Jahrmarkt. Er sieht ein kleines Teigr\u00f6hrchen mit s\u00fcssem Inhalt, das er gerne kaufen m\u00f6chte. Er macht einen Kassensturz. Sein karger Sold muss f\u00fcr die Heimreise und f\u00fcr die Geschenke f\u00fcr die Mutter reichen. Aber 20 Rappen kann er ausgeben. Das k\u00f6stliche R\u00f6hrchen kostet 15 Rappen. Er verl\u00e4sst den Verkaufsstand, kehrt zur\u00fcck &#8211; geht, kommt &#8211; kauft es und sucht eine stille Ecke, um es zu geniessen. Senzapace ist hin und her gerissen zwischen Vorfreude und Gewissenspein.<\/p>\n<p>\u201eHe Schneegl\u00f6ckchen!\u201c ruft der Rekrut Cerasa. Schon ein wenig betrunken, reisst er ihm das k\u00f6stliche R\u00f6llchen aus der Hand und verschlingt es mit einem Bissen. Fast immer, wenn ich eine Patisserie sehe, denke ich an diese Szene. In diesem Buch habe ich gelernt, was Mobbing ist, lange bevor ich dieses Wort kannte. Tr\u00f6stlich \u00fcbrigens, dass die Geschichte ein gl\u00fcckliches Ende findet.<\/p>\n<p>Der Tessiner <a href=\"http:\/\/www.linsmayer.ch\/autoren\/S\/SprengOrlando.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Autor Orlando Spreng<\/a>&nbsp;(1908 &#8211; 1950) hat das Buch &#8220;La recluta Senzapace&#8221; geschrieben. Es erschien 1939 auf Italienisch und kurz darauf auch auf deutsch (\u00dcbersetzung: R. J. Humm, mit Holzschnitten von Aldo Patocchi). &#8211; Zur Zeit der Generalmobilmachung barg es viel Sprengstoff und auch heute ist Mobbing in der Schweizer Armee ein Thema, unter anderem gegen\u00fcber Soldaten aus anderen Sprachregionen. 2018 ging <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/schockierendes-rekruten-video-ich-konnte-sehen-wie-ihn-das-gedemuetigt-hat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein solches Ereignis<\/a> durch die Medien.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rekrut Senzapace 1939: Der Tessiner Bergler Adolfo Senzapace muss in die Rekrutenschule. Die Mutter weckt ihn in aller Hergottsfr\u00fche und denkt: \u201eAber dieser Junge ist nicht gemacht, um in die Welt hinauszugehen. 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