
{"id":2252,"date":"2024-09-23T17:31:13","date_gmt":"2024-09-23T15:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/?p=2252"},"modified":"2025-04-22T10:17:09","modified_gmt":"2025-04-22T08:17:09","slug":"raeume-fuer-traeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seiberth.ch\/wp_2015\/2024\/09\/23\/raeume-fuer-traeume\/","title":{"rendered":"R\u00c4UME F\u00dcR TR\u00c4UME"},"content":{"rendered":"\n<p>BirsMagazin 3\/2024, Fokus Unterwegs<br \/>Rubrik: Wortw\u00f6rtlich<\/p>\n<p>Von J\u00fcrg Seiberth<\/p>\n<p><strong>Jedes Jahr erscheinen weltweit rund 1,8 Millionen neue Buchtitel. &#8211; Und wie viele B\u00fccher erscheinen nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Wie viele fertige, mit Herzblut geschriebene Manuskripte werden nie ver\u00f6ffentlicht, schlummern auf einer Festplatte oder verschwinden ungelesen in einer Schublade? Ein grosser Teil der ver\u00f6ffentlichten und unver\u00f6ffentlichten B\u00fccher ist Belletristik. Hunderttausende lassen ihrer Phantasie freien Lauf und sch\u00fctten ihr Herz aus. Sie sitzen monatelang am Schreibtisch, ohne zu wissen, ob sie f\u00fcr diese enorme Leistung jemals mit Ruhm oder Geld belohnt werden. Warum tun sie das?<\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Antwort erh\u00e4lt, wer sich mit dem produktivsten und erfolgreichsten Schriftsteller des deutschen Sprachraums besch\u00e4ftigt, mit Karl May. Er schrieb von seiner Geburt bis zum Tod durchschnittlich etwa 5000 Zeichen pro Tag. Damit hat er ein grosses Publikum begl\u00fcckt und viel Geld verdient. Aber es muss noch andere Gr\u00fcnde f\u00fcr sein unerm\u00fcdliches Schreiben gegeben haben.<\/p>\n<p>Der mittellose Webersohn war zu klug f\u00fcr das, was die Welt mit ihm vorhatte. Deshalb eckte er immer wieder an. Schreibend schuf er R\u00e4ume, in denen er sich entfalten konnte, Welten, in denen das Gute st\u00e4rker war als das B\u00f6se, Welten, in denen er sich Respekt verschaffen konnte. Dort verwirklichte er seine Tr\u00e4ume kostenlos und ohne den Widerstand voreingenommener Autorit\u00e4tspersonen.<\/p>\n<p>Das verschaffte ihm auch in der realen Welt Respekt. Das Publikum tr\u00e4umte mit und verehrte ihn. Er wurde reich. Nun wollte er auch im wirklichen Leben Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi sein. Er behauptete, seine Reiseromanen enthielten nur Wahres und selbst Erlebtes.<\/p>\n<p>Schon zu Lebzeiten nahm man ihm diesen Schwindel \u00fcbel. Heute wirft man ihm vor, seine Tr\u00e4ume an realen exotischen Orten und in fremden Kulturen verwirklicht zu haben, die er nicht aus eigener Anschauung kannte. Und man diagnostiziert deshalb kulturelle Aneignung, Rassismus, Kolonialismus und Gr\u00f6ssenwahn.<\/p>\n<p>Verwirklichen Sie Ihre Tr\u00e4ume also lieber an imagin\u00e4ren Orten oder an realen Reisedestinationen. Obwohl: Auch dort m\u00fcssen Sie heute mit dem Widerstand von Einheimischen rechnen.<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BirsMagazin 3\/2024, Fokus UnterwegsRubrik: Wortw\u00f6rtlich Von J\u00fcrg Seiberth Jedes Jahr erscheinen weltweit rund 1,8 Millionen neue Buchtitel. &#8211; Und wie viele B\u00fccher erscheinen nicht? Wie viele fertige, mit Herzblut geschriebene Manuskripte werden nie ver\u00f6ffentlicht, schlummern auf einer Festplatte oder verschwinden ungelesen in einer Schublade? Ein grosser Teil der ver\u00f6ffentlichten und unver\u00f6ffentlichten B\u00fccher ist Belletristik. 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